Tobias Stalling / alternativenation.de / Broken.Heart.Collector

Tobias Stalling, 15.9.2011, http://www.alternativenation.de/tontraeger/review/broken-heart-collector-broken-heart-collector
Rockalternativen sind lebendig. Dies ist die Hauptaussage, welche im Zusammenhang mit Broken Heart Collector und ihrem gleichnamigen Album getätigt werden darf. Denn in Zeiten, die immer wieder die Achtziger zitieren und imitieren, macht eine Annäherung an die Neunziger auch mal wieder Sinn. In diesem Jahrzehnt – Stichworte der diversen Hypes hießen unter anderen Grunge, Lo-Fi und Post Rock -, waren die Outsider, Loser, die Verletzten, Schüchternen und verzweifelt wie leidenschaftlich Lärmenden zwischenzeitlich an den Hebeln der Musikmacht. Als freigeistig agierendes Gruppengefüge sind die Zeiten, in denen Indie-Bands scharenweise zu Majorlabels wechselten, eine außerordentlich fruchtbare Fundgrube.
Spröde und nahe der Auflösung rockt Broken Heart Collector. Dissonanzen und britzelnde Verzerrerklänge sind gewünschte Eigenheiten. Zudem spazieren die zumeist ausladend langen Stücke durch Anmutungen aus Post-Punk und Industrial, Art Rock und unterschiedlichen Improvisationsmusiken.
Diese Ballung der Experimente vergangener Jahrzehnte quietscht geradewegs an der bloßen Nostalgieschiene vorbei. Denn, was früher oft sperrig war und Hörschmerzen bereiten konnte, verpacken die Kollektoren in muntere Lieder. Nie wird bösartig aggressiv gelärmt, nie ungehörig respektive unhörbar in wenig harmonischen Verzweigungen genervt, nie der rote Faden, welcher einzelne Songparts verbindet, verloren.
Kunstvoll und behutsam dekliniert Broken Heart Collector das Sonderbare. Experiment verkommt nicht zum Selbstzweck. Sondern behält den Spannungsbogen immer im Visier und möchte viel, viel Lied mit sich führen. Natürlich sind keine Neuerungen möglich, doch erneut überzeugt der Umgang mit verfügbaren Klängen und Klangkonstruktionen, Instrumentierungen und Formen aus der Vergangenheit.