Thomas Kuschny / http://kulturzeitschrift.at / 2011

(…) Maja Osojnik ist Slowenin und singt in ihrer Muttersprache. Bei ihr würde man gerne jedes Wort verstehen. Es scheint nämlich ihre poetische Ader mindestens so ausgeprägt zu sein wie ihre musikalische. „Schwarze Wasser“ heißt übersetzt ihr letztes Album, schwarz sind auch die Geschichten, die sie darin erzählt. Dank ausführlicher Einleitungen werden auch die sprachlich unkundigen Konzertbesucher in eine Welt entführt, wo Leid und Tod herrschen. Vom Abgrund der Nacht, im Staub liegenden Mütterherzen und einsamen, allem verlustig gegangenen Alten ist hier die Rede. Beim einzigen auf deutsch gesungenen Lied offenbart sich im übrigen, wie prägnant und stilsicher die starken Bilder auch umgesetzt sind. Nun würde man zu solch heftigen Geschichten moll-lastige Schwermut erwarten. Dem ist aber nur teilweise so. Manch düsterer Introduktion folgen mitunter schnelle Polkas, experimentelle, frei improvisierte Noise-Attacken oder gar lupenreine Punk-Rock Songs. Dramaturgisch könnten die Brüche nicht größer sein: Einem „Schreiduell“ zwischen ihr und der gerne präparierten E-Gitarre, bei dem man nicht weiß, was hier Stimme und was Instrument ist, folgen melancholische langsame Walzerklänge, auf elektronische Experimente, die der Sendersuche bei alten Kurzwellenempfängern gleichen, folgt unter Umständen eine Nummer im Stile von „Ideal“, einer NDW-Band aus grauer Vorzeit. Mit ihrer dunklen Stimme, die auch mal an Nico erinnern kann, gibt Maja Osojnik aber auch eine perfekte Chanteuse im boulevardesken Vaudeville ab, von ihrem Quartett passend schmierig begleitet. Man merkt schon, ganz so ernst, wie das Thema vorzugeben scheint, wird die Sache nicht genommen. Vielmehr wird herzhaft dekonstruktivistisch zugelangt, aber nicht ohne die Melancholie traurig-schöner Melodien zu vergessen. Gut so.