Nachrichten: Jazz zwischen Melancholie und überschäumendem Witz

Jazz zwischen Melancholie und überschäumendem Witz

Auch bei der Eröffnung des Jazzfestivals Saalfelden wurde der Flüchtlingskatastrophe im Burgenland gedacht.

Am Anfang stand ein berührender Moment des Schweigens. Nach den üblichen Ansprachen der Veranstalter und Politiker bat Moderator Harald Friedl das Publikum, sich für einen Moment der Stille angesichts der Flüchtlingskatastrophe im Burgenland zu erheben. Auch das Eröffnungskonzert schien diesem tragischen Umstand Rechnung zu tragen. Die slowenische Sängerin mit Wirkungsstätte in Wien, Maja Osojnik, hatte ihren Kompositionsauftrag ernst genommen. Mit dunkel timbrierter Stimme verbreitete sie nachdenkliche Stimmung. Die Zusammenarbeit mit drei tiefen Geigen, Cello und zwei Kontrabässen verstärkte die dunkelgraue Aura.

Fein haben sie ihr üppiges Menü angerichtet, die Saalfeldner mit Mario Steidl und Michi Mayer an der Spitze. 31 Konzerte mit fast 150 Musikern aus der ganzen Welt sorgten an den vier Tagen für barocke Üppigkeit. Mainstream im engeren Sinn gibt es keinen, Vielfalt und das Dehnen der Genregrenzen sind Kennzeichen der zeitgenössischen Szene. So bezieht sich der Geiger Regis Huby auf die Erkenntnis der Moderne des 20. Jahrhunderts. Komplex und ausgefeilt konstruiert er seine Kompositionen. Musik versteht er als spannenden Prozess des Entstehens und Vergehens. Bei den Short Cuts in der Blackbox des Kunsthauses Nexus hatte er den überragenden Gitarristen Marc Ducret als Solisten geladen. Gemeinsam gelang ein mutiges, zwischen Strenge und Luftigkeit changierendes Stück Kammermusik.

Auf der Hauptbühne als Kontrapunkt der kraftvolle Freejazz des Quintetts Atomic. Nun sind die tabubrechenden Zeiten dieser Musikform auch schon ein halbes Jahrhundert her, aber so frisch und unterhaltsam wie von den Skandinaviern musiziert, wird das immer aktuell sein. Die Musik der Pianistin Angelica Sanchez ist von irritierender Schönheit, ihr Fünfer spannt den Bogen von liebessehnsüchtiger Melancholie zu ordentlicher Dynamik, als Solisten wieder Marc Ducret und der wunderbare Ellery Eskelin am Saxophon.

Ein anderer Saxophonist, Steve Coleman, Garant für höchste Qualität, enttäuschte ein wenig. Geiger und Bläser waren bloße Staffage für Trompeter Jonathan Finlayson und ihn selbst. So konnten seine zügigen, eckigen Stücke noch gefallen, die Balladen gerieten süßlich. Als Trost konnten gegen zwei Uhr morgens die Fans das Husarenstück von “Mostly other people do the killing” bejubeln. Ein virtuoser Tanz durch die Stile. Ganz famos!

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