Michael Ternai / Broken.Heart.Collector / Mica Austria

Maja Osojnik, Susanna Gartmayer, derhunt, Raumschiff Engelmayr und DDKern – alleine schon die Namen der an diesem Bandprojekt beteiligten MusikerInnen versprechen ein höchst spannendes und ungewöhnliches Hörerlebnis. Und genau ein solches ist das selbstbetitelte und bei Discorporate Records erscheinende Erstlingswerk von BROKEN.HEART.COLLECTOR auch geworden. Was auf dem Programm steht, ist eine von jeglichen stilistischen Begrifflichkeiten befreite Klangreise im Geiste der Avantgarde. Innovativ, vielschichtig, atmosphärisch, dunkel, komplex, schräg und heftig. Auf jeden Fall das genau Richtige für jene, die sich stets auf der Suche nach dem Unkonventionellen und Neuen befinden. Nun, wer die bisherigen Projekte der fünf Protagonisten dieses außergewöhnlichen Bandprojektes kennt, dem ist klar, dass man bei der Beschreibung der Musik von  BROKEN.HEART.COLLECTOR mit herkömmlichen Kategorisierungsversuchen nicht allzu weit kommen wird. Hier sind, und in diesem Fall trifft die Zuschreibung ausnahmsweise tatsächlich zu, durch die Bank musikalische Freigeister am Werken, die mit Grenzziehungen zwischen den Stilen nicht wirklich viel am Hut haben. So gibt es wohl kaum ein Genre, in dem sich Maja Osojnik (Rdeča Raketa, Maja Osojnik Band, FruFru, Subshrubs) nicht schon einmal versucht hat. Egal ob nun im Jazz, in der zeitgenössischen Musik und Improvisation, in der Elektronik, im Pop oder Volkstümlichen, die aus Slowenien stammende und ungemein wandlungsfähige Vokalkünstlerin und Bassflötistin schreitet mit einer solch eindrucksvollen Stilsicherheit durch die Musikwelten, wie es nur wenige andere können. Ähnlich unterwegs ist auch Susanna Gartmayer (When Yuppies Go To Hell, Gemüseorchester). Die in der heimischen Improvisationsszene überaus erfolgreich agierende Bassklarinettistin  ist ein wunderbares Beispiel für eine Künstlerin, die in ihrem Tun stets danach bestrebt ist, Wege zu beschreiten,  die nach Möglichkeit immer weit weg vom Herkömmlichen führen. Bleiben die drei Herren derhunt, Raumschiff Engelmayr und DDKern, die unter dem Namen Bulbul mit ihrem höchst experimentellen und von jedem Scheuklappendenken befreiten Ansatz die Rockmusik zur wahren Kunstform erheben.
Was BROKEN.HEART.COLLECTOR auf ihrem Erstlingswerk zelebrieren ist das Spiel mit dem nicht Kategorisierbaren. Die Art und Weise wie der Fünfer durch die unterschiedlichen Spielformen wandelt, deren Essenzen extrahiert und diese in einem vollkommen, den herkömmlichen Musikbegrifflichkeiten entgegenstehenden Gesamtsound aufgehen lässt, ist schon ganz großes Kino. Die Spannweite der stilistischen Ingredienzen reicht von elektronischer Klangkunst über Improvisationen und Jazzanleihen bis hin zu hochenergetischen Experimentalrock-Interpretationen. Dazu kommt Maja Osojnik hinter dem Mikrofon, die in einem Moment die kühle, düstere Diva gibt, um im nächsten in hysterischen Schreieskapaden aufzugehen. Das wunderbare an den insgesamt 10 ungemein vielschichtigen Stücken ist, dass sie ihre Geheimnisse nicht sofort preisgeben, dass zu Beginn keine Voraussage darüber zu treffen ist, in welche Richtung die Reise letzten Endes tatsächlich gehen wird. Und genau dieser Aspekt macht die ganze Sache auch so spannend.
„BROKEN.HEART.COLLECTOR“ ist ein höchst intensives, atmosphärisch dichtes Hörerlebnis geworden, an dem Liebhaber experimenteller, avantgardistisch angehauchter Klänge mit Sicherheit ihre Freude haben werden. (mt)