Mario Karl / musikansich.de / Broken.Heart.Collector

Mario Karl, http://www.musikansich.de/, Bulbul + X = verleiht FlĂŒgel?
Eine komplett neue Band ist Broken.Heart.Collector nicht. Zumindest ein Teil dieses Kollektivs ist bereits bekannt. Den Rumpf des FĂŒnfers bilden die österreichischen Noiserocker Bulbul. Hinzu kommen Bassklarinettistin Susanna Gartmayer und die slowenische VokalkĂŒnstlerin Maja Osojnik, die in ihrer Karriere schon so ziemlich alle Stufen von Volksliedern bis Avantgarde und Black Metal durchlief. Und diese nackten Fakten lesen sich durchaus interessant.
Dass man es hier nicht mit einer leichten Popplatte zu tun hat, dĂŒrfte klar sein. Vielmehr schufen Broken.Heart.Collector ihre eigene Twilight Zone zwischen den Eckpfeilern grooviger Rock und Noise, Hardcore, Jazz, Chanson, Prog. Gut und gerne kann man dem Ganzen aus Mangel an Alternativen den Stempel Avantgarde aufdrĂŒcken. Aber glĂŒcklicherweise klingt die Musik der Gruppe nicht zu verkĂŒnstelt, sondern sie wurde – wie es scheint – zum großen Teil aus dem Bauch heraus eingespielt. So tuckert der Bass immer schön vor sich hin, als wĂŒrde er zum Tanz einladen, nur um einen spĂ€ter einen in die Kauleiste zu hauen. Klarinette und Gitarre versorgen die Rhythmen bestĂ€ndig mit interessanten und passenden KlangflĂ€chen. Nicht selten wurden die Instrumente im Geiste eines John Cage hörbar prĂ€pariert. An allen Ecken scheppert und knirscht es fast ohne Unterlass.
Und ĂŒber all dem schwebt die Stimme von Maja Osojnik. Diese ist hier etwas mehr als „nur“ Gesang, sondern die Frau addiert der Musik ihre von osteuropĂ€ischer Melancholie geprĂ€gte Stimme wie ein weiteres Instrument hinzu. Überhaupt setzt sie stĂ€ndig Akzente. Egal ob sie fast gefĂŒhllos ins Mikro palavert, sich ganz lasziv um das Geschehen schlĂ€ngelt, im Stile alter, französischer Chansons zirpt oder wunderschön entspannte Melodien zum Besten gibt.
Die Kompositionen selbst sind sehr abwechslungsreich, wenn auch anfangs nicht immer nachvollziehbar. Die Stimmungen sind vielfĂ€ltig von leichtem Schweben mit Hang zur Hypnose, ĂŒber begeisterndem Abrocken, bis zur absoluten Ekstase. Vergleiche mit den im Promozettel genannten ZU, Carla Bozulichs Evangelista oder dem Sleepytime Gorilla Museum sind durchaus angebracht. Also ihr Avant-Rocker der Republik: ihr wisst jetzt, wo es neues Futter fĂŒr euch gibt!