Hauptsache experimentell – DerStandard, 21. August 2014

Hauptsache experimentell

21. August 2014, 17:34

Klangfestival Gallneukirchen mit u.a. Mutt/Mayr/Hackl, Zen, Maja Osojnik, Matija Schellander und Rdeca Raketa

Seit sieben Jahren veranstalten klangbegeisterte Wiener mit ober√∂sterreichischen Wurzeln das Klangfestival Gallneukirchen – heuer erstmals zweit√§gig. Und das hat einen simplen, charmanten Grund: Man habe es “irgendwie immer schade gefunden, wenn nach einem Tag alles schon wieder vorbei war”, hei√üt es. Mit Freude und Hang zu Understatement bedient man sich bei Wiener Labels wie Totally Wired Records (u. a. Gran) oder der Plattform klingt.org (Shrack, Regolith); zudem hat man die Kooperation mit dem queeren Label Unrecords verst√§rkt: neben Mutt/Mayr/Hackl ist die kroatische Band Zen zu h√∂ren.

Gitarrenriffs werden hier den sp√§ten Platten fr√ľher Indierockbands entlehnt, und fast zu eing√§ngig und vorhersehbar mit leicht psychedelischen Electro-Kl√§ngen arrangiert. Aber weil sich das Klangfestival eben genau keinem Genre verschreibt, √ľberraschen auch Formationen wie Wenzel Dnatek mit klarem, fast klassischem Free Jazz. Der Schwerpunkt aber liegt nach wie vor auf Experimentellem, auf Noise und auf zeitgen√∂ssischer Komposition: S√§ngerin, Fl√∂tistin und Komponistin Maja Osojnik und Kontrabassist und Modular-Synthesizer-Experte Matija Schellander haben als Klangk√ľnstler-Duo Rdeca Raketa (slowenisch f√ľr rote Rakete) erst im letzten Jahr ein nicht nur akustisch ausnehmend sch√∂nes Werk auf Vinyl herausgebracht.

Rdeca Raketa sind heute Abend zu h√∂ren, morgen, Samstag, u. a. Gueule Populaire (das sind Margaret Unknown und Rosi Rehformen), au√üerdem gibt es eine Lesung mit Stefanie Sargnagel. Wie immer werden keine fixen Eintrittspreise verlangt, sondern setzt man auf freiwillige Spenden, mit denen etwa K√ľnstlergagen bezahlt werden. (wkh, DER STANDARD, 22.8.2014)