Carina Prange / Jazzdimensions Germany / Maja Osojnik Band / 2011

Der Spruch “stille Wasser sind tief” trifft hier auf alle Fälle nicht zu. Denn hier sind es “schwarze” Wasser, die tief, unergrĂĽndlich und gefährlich sein können – und manchmal gar tödlich. Aber nicht still – Maja Osojnik packt Texte voll Sprengkraft in ihre Songs, singt ĂĽberwiegend auf Slowenisch und in der sehnsuchtsvollen, gelegentlich sogar fröhlichen Musik geht es um tragische, gar gruselige Dinge.
In dem tatsächlich dreisprachig betitelten Werk verarbeitet die Slowenin Osojnik die Geschichte ihres Volkes, singt Volksweisen, Partisanenlieder und auch eigene Lieder und lässt uns immer wieder tief in die menschlichen Abgründe schauen. Krieg, Brutalität, Tod, Selbstmord, all das findet statt in diesen Liedern, was auch immer wieder durch eingestreute Geräusche, dem Ruf oder dem Flügelschlagen des Uhus konterkariert wird. Ganzheitliche Musik sozusagen, die erzählt mit Ton und Geräusch, mit Stimme und Bewegung, denn auch zum Tanz anregende Passagen finden sich auf dem Album.
Die Songs von “Schwarze Wasser” bilden einen Zyklus mit dokumentarischem Anspruch: Hinter jedem Lied steckt eine Geschichte – nicht ohne Grund kommt die CD mit einem 96-seitigen Buch zusammen – dennoch steht die Musik auch fĂĽr sich allein. Die Sprache, die sie spricht ist eindringlich, hält sich nicht im Emotionslosen auf, will berĂĽhren, aber auch angreifen. Wenn sich in einem Lied, das sanft wie ein Wiegenlied daherkommt, plötzlich ein Abgrund auftut, gefriert unwillkĂĽrlich das Blut in den Adern. In diesem erinnert Maja Osojniks “Schwarze Wasser” ein wenig an Meret Beckers “Nachtmahr”.
Maja Osojnik drängt mit einer Intensität und Direktheit nach vorn, dass Töne zu Bildern gerinnen. Dabei unterstützt wird sie durch eine Band, die sich ganz auf die Protagonistin einstellt. Und selbst wenn nicht alles klar ist, was das Textverständnis betrifft, die Dramatik spricht für sich selbst. Kein leichter Tobak, um es mal so zu sagen. Aber eine Musik zwischen Theater und Realität, zwischen Geräuschkunst und Klangwerk, die sich zu entdecken lohnt.

The saying “still waters run deep” doesn’t apply here. Here it is “black” waters that run deep, murky and dangerous. But definitely not still. Maja Osojnik packs lyrics of explosive power into her songs, sung mainly in Slovenian, and the yearning, occasionally cheerful music is all about tragic and even eerie things. In her work, with it’s tri-lingual title, the Slovenian Osojnik processes her people’s history, sings folk tunes, songs of the partisan resistance and also her own songs, and time and again, she provides us with a deep view of the abysses of humanity. War, brutality, death and suicide all  take place in these songs, and are repeatedly offset by interspersed sounds – the call of an owl or the sound of her flailing wings. Holistic music, as it were, told with notes and sounds, with voice and movement – some passages on the album inspire dancing.
The songs of “Black Waters” constitute a cycle with documentary aspirations: Every song tells a story – there is a reason that the CD comes together with a 96 page book – but nevertheless, the music can stand alone. With a haunting style that doesn’t linger in the absence of emotions, the music wants to touch but also attack. In a song that comes softly like a lullaby, an abyss opens suddenly. Instinctively, one’s blood runs cold. In this way, Maja Osojnik’s “Black Waters” are reminiscent of Meret Becker’s “Nachtmahr”.
Maja Osojnik presses forward with an intensity and directness that makes sounds congeal into images. In this, she is supported by a band that is clearly attuned to their protagonist. And even if the text isn’t quite comprehensible, the dramatics are self-explanatory. Strong stuff, so to speak. But music between theatre and reality, between noise, art and soundscape, that is definitely worthy of being discovered.