Bastian Küllenberg / crazewire.de / Broken.Heart.Collector / September 2011

Bastian Küllenberg, http://www.crazewire.de, September 2011
Man muss kein Emo sein, um Broken Heart Collector für einen famosen Bandnamen zu halten. Erstaunlicher noch dazu, dass es sich hierbei eher um ein multinationales Projekt, denn eine wirkliche Band im herkömmlichen Sinne handelt. Es musizieren zusammen die slowenische Bassflötistin Maja Osojnik, Klarinettistin Susanna Gartmayer aus Deutschland sowie die österreichischen Avant-Rocker Bulbul. Namen die man googlen muss, sofern man sich nicht im Herzen der Improvisationsszene befindet.
Erfreulicherweise hat Broken Heart Collector jedoch wenig akademisches und auch eine klassische Vorbildung ist nicht erforderlich. Vielmehr hört man ein Album, dessen Weg am Rande des Abgrunds über Jazz, osteuropäische Folklore und Noise Rock führt und den Hörer unweigerlich einwickelt. Atmosphärisch dicht und düster, wagt sich die Band an Stummfilmszenarien oder schroffen Blues. Vor allem der Gesang von Maja Osojnik ist es, der vielen Stücken über die Wucht der Instrumente hinaus eine dramatische Dringlichkeit verleiht. Beinahe fühlt man sich mitunter an die legendäre Grace Slick erinnert, ehedem Stimme von The Great Society und Jefferson Airplane.
Mittels präparierter Instrumente oder ungewöhnlicher Klangkörper erschaffen Broken Heart Collector einen Klang, der griffig und doch experimentell wirkt. „Another Heart Bites The Dust“ oder der stampfende „Eisenwalzer“ klingen wohl nicht ungewollt nach Tom Waits, dessen rumpelnder Mitternachtsfolk eine Inspiration der gesamten Platte zu sein scheint, während sich „Get The Dog“ ganz dem Gefühl der Wut hingibt. Ein nicht immer einfaches Album für Forscher und Mitternachtsgeschichtenleser.