Andreas Rauschal / Wiener Zeitung / Broken.Heart.Collector

Herzbruch mit der Stahlsäge, Von Andreas Rauschal, Wiener Zeitung
DebĂĽtalbum von broken.heart.collector. Wien. Der Name Maja Osojnik könnte bei Musikliebhabern unterschiedlichster Genres Assoziationen auslösen. Wir sprechen von Menschen, die sich aufgrund ihrer Sozialisierung in Sachen Hörgewohnheiten eventuell nicht so schnell im selben Konzertraum oder Lokal begegnen wĂĽrden. SchlieĂźlich ist die 1976 im slowenischen Kranj geborene Sängerin mit einem Karriereweg auffällig geworden, der als breit gefächert noch unzureichend beschrieben ist. Die fĂĽr ihr Studium der Blockflöte an der Universität fĂĽr Musik und darstellende Kunst nach Wien ĂĽbersiedelte Musikerin, die sich später auch in Sachen Jazzgesang akademisch fortbilden sollte, vertonte slowenische Volkslieder, widmete sich der Musik des ausklingenden Mittelalters wie jener der englischen Renaissance, werkte zwischen Hardcore, Metal und Noise und ging elektroakustischen Improvisationen nach – um nur einige Beispiele zu nennen. Dazu kam vor allem der Jazz, die sogenannte zeitgenössische Musik und eine Arbeitsweise zwischen Konzept und Improvisation. Im Jahr 2008 verlieh ihr die Jeunesse schlieĂźlich den ehrenvollen Titel “Artist of the year”.
Sturm und Atmosphäre Eine Bekanntschaft mit dem heimischen Experimental-Rock-Trio Bulbul, das seit 1996 für zünftigen Lärm steht, führte nun zu einem weiteren Projekt: Ergänzt um die Bassklarinettistin Susanna Gartmayer (etwa When Yuppies Go To Hell, Erstes Wiener Gemüseorchester), legen broken.heart.collector ihr Debütalbum vor. Darauf spielt sich das Quintett – man kann es bereits ahnen – von sämtlichen Genrekonventionen und Vorgaben frei.
Im Mashup der Stilrichtungen bemĂĽhen sich die Gitarren um Drastik und Atmosphäre. Der elfminĂĽtige “Love Reclamation Song”, der das Album eröffnet, legt die Produktionsbedingungen der Platte mit Verstärkerrauschen offen und fĂĽhrt ĂĽber betont kalte Klanglandschaften hin zum Mount Noise. Im fĂĽr die GemĂĽtslage der Arbeit bezeichnenden “Another Heart Bites The Dust” hat Osojnik den Blues. Ein Gewitter zieht auf, Regen wird prasseln. Die auch fĂĽr David-Lynch-Soundtracks hoch im Kurs stehende Twang-Gitarre paart sich mit vom Free Jazz kommenden Bläsern, die im instrumental gehaltenen “The Average Weight Of Love” wiederum an die StreifzĂĽge Allie Parkers in “Permanent Vacation” denken lassen und generell nahelegen, dass die Musiker “Trout Mask Replica” von Captain Beefheart schon einmal gehört haben. Während Osojnik faucht, wĂĽrgt und brĂĽllt, beherzt croont oder mit stoischem Sprechgesang durch ihre Texte fĂĽhrt, startet “Eisenwalzer” mit dem IG-Metall-Sound der EinstĂĽrzenden Neubauten, als diese noch bevorzugt mit Stahlsägen, Bohrmaschinen und Vorschlaghämmern musizierten. Das nahe am Post-Punk errichtete “Wolves” fährt am Ende dann auch noch mit einem hitverdächtigen Refrain auf, ohne freilich zu plakativ zu werden. Das klingt, wie am Montag ab 20 Uhr im Theater an der Gumpendorfer StraĂźe ĂĽberprĂĽft werden kann, vor allem auch live toll: Maja Osojnik ist eine begnadete Performerin.