Andreas Hofmann, www.babyblaue-seiten.de / Tipp des Monats September 2011

Andreas Hofmann, www.babyblaue-seiten.de / Tipp des Monats September 2011
Man könnte es sich einfach machen und behaupten, die Avantgarde-Noise-Ă–sis von Bulbul hätten einfach nur personell aufgestockt und sich in broken.heart.collector umbenannt, aber es ist nicht so, als wĂĽrden sich ihre beiden Mitstreiterinnen hier einreihen oder gar hinten anstellen. Zusammen mit ihrer Landsmännin Susanna Gartmayer, die sich als Bassklarinettistin in der österreichischen Impro-Szene einen Namen gemacht hat, und der slowenischen Sängerin und Bassflötistin Maja Osojnik, die in ihren zahlreichen Projekten von heimischer Volksmusik bis hin zu Black Metal offenbar alle Paletten der Vokalkunst abzudecken vermag, ergibt sich hier nämlich ohne Zweifel eine ganz neue und nicht minder aufregende Band. (…) Die Eckpunkte sind also Jazz, Noise, Avantgarde, Chanson und Industrial, aber verkniffen artsy wirken broken.heart.collector dabei definitiv nicht. Oft und gerne manipuliert man den Sound der Instrumente im Geiste von John Cage, und so knirscht und knarzt es nicht nur beim Intermezzo “(…)” an allen Ecken und Enden. Die Stimmung ist nicht selten ungemĂĽtlich, es wird viel und gerne improvisiert, wobei auch zunächst zähe StĂĽcke wie der nicht ganz unpassend betitelte “Eisenwalzer” doch noch irgendwann die Kurve bekommen und zumindest ansatzweise flieĂźender werden, wobei man diese Art von FlĂĽssigkeit wohl oft weder trinken noch sonst irgendwie mit ihr in BerĂĽhrung kommen möchte. Besonders beeindruckend wird die Musik immer dann, wenn Osojniks unterkĂĽhlter Gesang auf Bulbul’sche Leichtigkeit trifft – Songs wie “Get the dog”, “Wolves” und das dezent an Placebo [sic!] erinnernde “Another Heart Bites The Dust” werden so fast schon zu kleinen Hits, die aber freilich immer noch sperrig genug sind, um nicht als poppig durchzugehen.
Die Wirkung der Musik, die man auf dem ersten Album von broken.heart.collector zu hören bekommt, kann vom ersten bis zum letzten Moment eigentlich nur als hypnotisch beschrieben werden, wobei dabei immer verschiedene Aggregatszustände und Emotionen durchlaufen werden – mal schwebt man gasförmig-verzückt, mal windet man sich zäh-unwohl, mal fällt man bleiern-hoffnungslos, dann wieder strömt man flüssig-zuversichtlich. Spannend ist das. Anstrengend. Aufreibend. Manchmal nur schwer erträglich. Aber nie langweilig!