Andreas Gstettner / fm4 radio, orf / Broken.Heart.Collector

Andreas Gstettner, fm4 radio, orf
Die Reparaturwerkstatt der gebrochenen Herzen

Es gibt Menschen, die es ansatzweise schaffen, Musik in Worte zu fassen. Was mich manchmal vor unlösbar scheinende Aufgaben stellt, ist für andere eine wonnige Lust des sprachakrobatischen Assoziierens. Bei der Formation Broken.Heart.Collector und ihrem vor kurzem erschienenen, selbstbetitelten Debüt verweise ich gleich mal an die eloquenten und gewitzten Ausführungen meines Kollegen Fritz Ostermayer, der in einer Sumpfausgabe die Musik des Künstlerkollektivs folgendermaßen assoziativ beschrieben hat:
“Big Band Swing, gespielt durch die Kontaktlinsen einer Metal-Combo. Prog-Rock auf der Suche nach Überlebensstrategien als ‘Post-Prog-Irgendetwas’. Alltagsgeräusche, die nicht wissen, ob sie noch field recordings sind oder schon musique concrète. Spoken word, das sich zum Gesang aufschwingt und darüber hinaus zum Schreien, wie ein Kind beim Spielen. Oder doch ein Kind in Angst? Stellen von intimer, klanglicher Poesie kippen blitzschnell in alarmistischen Industrial. Beziehungsweise in ein Freakout zwischen Free Jazz und alten E-Musik-Techniken. Mit allem, was so seit den 1950ies dazu gehört…”
Der neurale Funkenflug von Herrn Ostermayer geht noch lange weiter. Für diese wundervolle Assoziationskette sind Sängerin Maja Osojnik, Bassklarinettistin Susanna Gartmayer und das Trio BulBul verantwortlich, die als gleichwertige KünstlerInnen ihren Inspirationen, Improvisationen und musikalischen Leidenschaften mit Broken.Heart.Collector freien Lauf lassen. Auch auf textlicher Ebene wird in düstere Märchenlandschaften hinabgestiegen, wo ein Sohn blind vor Liebe zu einer Frau das Herz aus der Brust seiner Mutter herausreißt, wo Wölfe die Herzen von Menschen auffressen und Postboten versuchen Hunde zu beißen, bevor sie selbst gebissen werden. Über zerrendes Schlagwerk, rauschende Feldaufnahmen, vertrackte Rhythmiken, sehnsuchtsvolle Bassklarinetten-Harmonien, avantgardistischen Jazzdustrial wird der Eisenwalzer getanzt und lakonisch zur Boatwischmusik geheadbangt.