Salzburger Nachrichten – Interview Maja Osojnik, 27.8.2015

„Ich fĂŒhre gern ein Doppelleben“ / Zwischen Blockflöte und Laptop nimmt sich Maja Osojnik gern alle Freiheiten. Erst ein Anruf aus Saalfelden bescherte ihr Entscheidungsnot. Salzburger Nachrichten, Clemens Panagl
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BILD: SN/RANIA MOSLAM
Eröffnet das Jazzfestival Saalfelden: Maja Osojnik.

SALZBURG. Gegen Schubladen im Allgemeinen hat Maja Osojnik eigentlich gar nichts. „Ich weiß, dass die Welt Klarheit und Ordnung braucht“, sagt die Musikerin und Komponistin. Dass auch in der Musik große Nachfrage nach Etiketten herrscht, mit denen sich Songs beschreiben und KĂŒnstler fassen lassen, sei ebenfalls verstĂ€ndlich. Bloß: „Als meine Aufgabe sehe ich das nicht.“ Continue reading

Wiener Zeitung : Jazzfestival “Wir vergessen, zuzuhören”

Wiener Zeitung / Jazzfestival “Wir vergessen, zuzuhören” von Christoph Irrgeher

Maja Osojnik eröffnet am Freitag das HauptbĂŒhnen-Programm beim Jazzfestival Saalfelden. Ein GesprĂ€ch mit der vielseitigen Musikerin.
maja_osojnik Zwischen Alter Musik und Elektronik: Osojnik. © Larry Bercow

Wien/Saalfelden. Was ist Jazz? Maja Osojnik hat auch auf die scheinbar harmlose, doch tĂŒckische Frage eine Antwort. Jazz, wirft sie im GesprĂ€chsverlauf ein, sei “eine ErzĂ€hlung, die immer wieder eine freie Wendung nehmen kann”. Kein Fachbegriff, kein Genrevokabular – so mag das Osojnik, die 1976 im slowenischen Kranj zur Welt kam und in den 90ern, vorerst als Musikstudentin, Wahlwienerin wurde. Osojnik also kastelt sich gedanklich ungern ein, und wenn sie das sagt, klingt es nicht nach einer schicken Behauptung wider die Kleingeistigkeit dieser Welt, sondern nach gelebter Überzeugung. Die Frau versteht sich auf die Polyphonie der Barockmusik, schĂ€tzt aber auch ein gepflegtes Punkkonzert, ist firm auf der Blockflöte und im Jazzgesang, knöpft sich gern jedoch auch ein Volkslied vor, dreht zu experimentellen Zwecken an den Elektronik-Reglern oder arbeitet mit Field Recordings. Kurz: Osojnik tanzt mit einer GesĂ€ĂŸhĂ€lfte auf mindestens zwei Kirtagen. Continue reading

Das Jazzfestival Saalfelden beginnt mit einem Appell

Salzburger Nachrichten: Das Jazzfestival Saalfelden beginnt mit einem Appell
29.8.2015

Der erste Applaus beim Jazzfestival galt einem Appell fĂŒr mehr Menschlichkeit, den die Veranstalter an das Publikum richteten.
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Jazzfestival Saalfelden 2015

Jazzfestival Saalfelden 2015

Bild: SN/Heinz Bayer

Es war eine ebenso vielstimmige wie vielseitige Eröffnung der HauptbĂŒhne beim 36. Jazzfestival Saalfelden: Elektronisch verfremdete KlĂ€nge schickten das Publikum Freitagabend auf eine emotionale Tour de Force, aber auch Harmonie und Groove wurden geboten. Wirklich bedrĂŒckend war es nur eingangs, als mehrfach ein Handeln angesichts der aktuellen FlĂŒchtlingskatastrophe eingefordert wurde. Veranstalter und Politik gingen dabei – ganz dem diesjĂ€hrigen Motto und Sujet des Festivals entsprechend – Hand in Hand, als etwa BĂŒrgermeister Erich Rohrmoser (SPÖ) betonte, dass “wir alle gefordert sind”. Nicht nur die FlĂŒchtlingskatastrophe auf der A4 diese Woche habe dies vor Augen gefĂŒhrt. “Es geht um eine positive Stimmung, um UnterstĂŒtzung, um Kommunikation.” Harald Friedl, der gewohnt unterhaltend durch den Abend fĂŒhren sollte, forderte schließlich die Anwesenden im Congress dazu auf, aufzustehen und damit ihre “aufrechte Haltung” im Umgang mit FlĂŒchtlingen zu demonstrieren – was sofort umgesetzt wurde.

Vor diesem Hintergrund war es anschließend schwer, aus Maja Osojniks Auftragsarbeit fĂŒr das renommierte Festival keine Andeutungen und Parallelen zu Flucht und Leid, zu Hoffnung und Mut zu lesen. Die gebĂŒrtige Slowenin, die seit mehreren Jahren ihre kĂŒnstlerische Heimat in Wien hat, evozierte mit “All.The.Terms.We.Are” starke Bilder vor dem inneren Auge und forderte ihren Zuhörern einiges ab. ZunĂ€chst nur auf die Kraft ihrer Stimme im Loop setzend, gab es besonders im gutturalen Zusammenspiel mit der Cellistin Audrey Chen ebenso eindrucksvolle wie beklemmende Akzente zu erleben, die sich in das klangliche Bild aus Elektronik, Bass, Piano und Schlagzeug webten.

Immer wieder ging das Sextett, komplettiert durch Kaja Draksler, Matija Schellander, Manu Mayr und dem formidablen Schlagzeuger Lukas König, harmonische Strukturen ein, griffen die ZahnrĂ€der mĂŒhelos ineinander und wurde geradezu nachvollziehbarer Schönklang erzeugt – um im nĂ€chsten Moment in Trauer und Wut zu mĂŒnden. Fragmentarisch, eruptiv und bedrohlich zog Osojnik diese Montage mit aller Ernsthaftigkeit und gleichzeitig spĂŒrbarer Lust durch, wĂ€hnte das Publikum in Sicherheit, um es sofort wieder von der Klippe zu stĂŒrzen. Das Fluchtnarrativ, das man zu erkennen glaubte, löste sich zusehends in eine breit gestreute ErzĂ€hlung der Suche per se. Am Ende stĂŒlpte die Musikerin ĂŒber diese organisch pulsierende Betrachtung des Selbst einen geradezu lieblichen Schluss. Continue reading

Das 36.Jazzfestival Saalfelden wurde am Freitag von Maja Osojnik, Chris Lightcap und Rob Mazurek eröffnet. Bravourös.

Das 36.Jazzfestival Saalfelden wurde am Freitag von Maja Osojnik, Chris Lightcap und Rob Mazurek eröffnet. Bravourös.
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foto by rania moslam

29.08.2015 | 18:47 |  von Samir H. Köck  (Die Presse)

„Dunkle Materie“, orakelte Schlagzeuger Lukas König noch kurz vor Beginn des Festivals im Schatten des Kaffeerösters in der VIP-Zone ĂŒber die zu erwartenden Sounds. Um so erstaunter war man, als das von der intellektuell promiskuitiven Maja Osojnik ausgerichtete Eröffnungskonzert mit lyrischen Passagen labte. Trotz allem Augenmerk auf ein gewisses Level an Abstraktheit blĂŒhten da die schönsten Melodien auf. Inhaltlich wehrt sie sich gegen Etikettierungen aller Art. SelbstverstĂ€ndlich verlief die Frontlinie auch dort innerhalb zwischenmenschlicher Beziehungen. „How can you demand my total trust?“, fragte sie in „Waiting for the Sun to Fall“. Die grundsĂ€tzlich aufrĂŒhrerische Musik des Kollektivs gewann kammermusikalische Anmutung. Continue reading

Nachrichten: Jazz zwischen Melancholie und ĂŒberschĂ€umendem Witz

Jazz zwischen Melancholie und ĂŒberschĂ€umendem Witz

Auch bei der Eröffnung des Jazzfestivals Saalfelden wurde der FlĂŒchtlingskatastrophe im Burgenland gedacht.

Am Anfang stand ein berĂŒhrender Moment des Schweigens. Nach den ĂŒblichen Ansprachen der Veranstalter und Politiker bat Moderator Harald Friedl das Publikum, sich fĂŒr einen Moment der Stille angesichts der FlĂŒchtlingskatastrophe im Burgenland zu erheben. Auch das Eröffnungskonzert schien diesem tragischen Umstand Rechnung zu tragen. Die slowenische SĂ€ngerin mit WirkungsstĂ€tte in Wien, Maja Osojnik, hatte ihren Kompositionsauftrag ernst genommen. Mit dunkel timbrierter Stimme verbreitete sie nachdenkliche Stimmung. Die Zusammenarbeit mit drei tiefen Geigen, Cello und zwei KontrabĂ€ssen verstĂ€rkte die dunkelgraue Aura. Continue reading

Die Presse: Interview Maja Osojnik, 25.8.2015

Maja Osojnik: „Man riet mir frĂŒh vom Singen ab“

Maja Osojnik, Flötistin, Elektronikerin, SĂ€ngerin, wird das Jazzfestival Saalfelden eröffnen. „Die Presse“ sprach mit ihr ĂŒber den Wert des Schmerzes und gesunde HĂŒrden.
25.08.2015 | 18:19 |  von Samir H. Köck  (Die Presse)

Manchen Hörern bringt abstrakte Musik schöne Erlebnisse. Andere fĂŒhlen Schmerz dabei. Aber auch das ist ein positives Kunsterlebnis, eines das viel zu oft unterschĂ€tzt wird“, sagt Maja Osojnik. Die aus Kranj in Slowenien gebĂŒrtige Musikerin, die seit 1995 Wien als Lebensmittelpunkt hat, ist viel mehr als bloß eine weitere Domina in der strengen Kammer der Avantgardemusik. Niemand anderer wirbelt mit derartiger Leidenschaft durch Genres, die eigentlich nicht miteinander kompatibel sind. Sie praktiziert bösen Noise und liebliche Renaissancemusik, ruppigen Jazz, wilden Punk und abstrakte Improvisation. Leicht verdaulich ist nichts davon. Continue reading